Mittwoch, 26. märz 2008

Talia knabberte auf ihren Fingernägeln. Seelenwächterin. Es war das erste Mal, dass jemand sie so nannte. Es war ein guter Name. Es klang nicht nach Leid, Angst, rotem Feuer und verletzten Seelen, sondern nach Heilung und Schutz. Talia zweifelte allerdings daran, dass sie sie Bezeichnung verdiente. Vielleicht war es ein nordischer Begriff für einen Druiden oder Heiler, überlegte sie. Dennoch, der Name gefiel ihr, selbst wenn es wohl am ehesten ihre eigene Seele war, die einen Wächter benötigte.“

Talia ist ein Waisenkind und wächst bei Vebromara auf, die sich nach dem Tod ihrer Mutter Netacari bei sich aufnahm. Talia hilft in der Druidenschule und ist schockiert, als sie nach einem Überfall auf diese die zahlreichen Verletzten sieht, plötzlich hat sie eine Vision und merkt, dass sie in die Seelen der Verletzten sehen kann. Talia selbst sieht diese Gabe als Fluch an und spricht nur ungern darüber, zumal der Druide Ientus sie seit dem Vorfall meidet und niemals als Druidin anerkennen würde.

Einige Zeit später hört sie zufällig ein Gespräch zwischen dem Druiden und dem Heiler Luguaedon, indem Ientus klarmacht, dass er ein Kind mit Talia zeugen will, notfalls auch mit Gewalt. Dieses Kind würde übermächtig und zum Hohedruiden in Alte-Stadt gewählt werden. Sie erschrickt und versteht nun seine Ablehnung, da kommen ihr die kranken Söldner gerade recht, die sich in ihr Dorf schleppen und um Hilfe bitten. Atharic verbringt viel Zeit mit Talia, die zwei verstehen sich gut und so nutzt Talia ihre Chance zur Flucht, als die Söldner nach Alte-Stadt ziehen, um den dortigen Führer Caran zu beschützen. Caran ist Talias leiblicher Vater, der nach ihrer Geburt den sofortigen Tod des Kindes gefordert hat. Talia kommt trotz allem als Haushälterin in seinem Haus unter und macht sich schnell einen guten Namen dort, zumal sie seiner Frau bei der Frühgeburt des ersten Kindes hilfreich zur Hand geht und dafür sorgt, dass das Kind überlebt. Doch sie hasst ihren Vater weiterhin, kein Wunder, da sie sieht, wie liebevoll er mit dem Kind umgeht und sie töten lassen wollte. Doch nicht lange bleibt ihr Hass bestehen, schon bald schwankt sie zwischen Liebe und Hass und auf einmal steht sie vor der Wahl: rettet sie ihm das Leben oder lässt sie ihn untergehen? Wird Ientus seinen Plan trotz allem durchsetzen können? Was für eine Rolle spielt Atharic?

Sehr lebendig, in einer angenehmen Sprache, schreibt Birgit Jaeckel in ihrem ersten Roman die Geschichte der Keltin Talia, die eine besondere Gabe hat – sie kann in die Seelen anderer Menschen sehen. So ist sie eine Gefahr und wird mit Argusaugen bewacht. Die fremden Namen wirken anfangs etwas ungewohnt, doch schnell hat man sich auch daran gewöhnt und schließt Talia, Atharic und Co. schnell in sein Herz und will erfahren, was das Schicksal mit ihnen vorhat...

Die Druidin“ ist ein historisch-fantastisches Hörbuch aus der Zeit der Völkerwanderung, die Zeit der Kelten und spielt in Süddeutschland in der Gegend rund um Passau, Kelheim und Manching. Man merkt der Autorin ihre Liebe zu dieser Zeit auf jeder Seite an, durch ihr Studium der Vor- und Frühgeschichte bekam sie viele Einblicke in diese Zeit und setzt diese in einer spannenden und schön zu hörenden Geschichte um. Sie verwebt Intrigen, Lügen, politische Geschehnisse und authentische Figuren zu einem Roman, der die damalige Zeit bildhaft, farben- und detailreich vor den Augen des Hörers auferstehen lässt. Interessant stellt sie die Politik und Kriegsführung der Keltenfürsten dar und zeigt so, dass gute historische Romane nicht immer nur im Mittelalter platziert sein müssen. Der Fantasyteil der Geschichte ist angemessen und konsequent und gut umgesetzt, so dass auch Fans reiner historischer Romane sich nicht daran stören dürften.

Dana Geissler liest diese Geschichte mit sehr viel Gefühl für die einzelnen Figuren und verpasst so jedem Charakter, jeder Situation eine eigene Klangfarbe. So schafft sie die passende Atmosphäre, die den Hörer direkt in die damalige Zeit versetzt.

Die Längen des Buches fallen den Hörbuchkürzungen zum Opfer, was der Geschichte sehr gut tut. Die Geschichte gewinnt dadurch, bleibt aber verständlich und verspricht so spannende Unterhaltung, die den Hörer direkt in die Zeit der Kelten führt.

Die Druidin“ ist ein Hörbuch für alle Fans von historisch-fantastischen Romanen, die hier voll auf ihre Kosten kommen können! Viel Spaß mit Talia und ihren Kelten!


Birgit Jaeckel, 1980 geboren, hat sich mit 15 Jahren zum ersten Mal an einen Roman gewagt. Nach ihrem Abitur hat sie Ethnologie studiert. Mittlerweile arbeitet sie für den Alternativen Novelpreis. Birgit Jaeckel lebt in Erlangen. "Die Druidin" ist ihr erster Roman.

von bibihexe76 veröffentlicht in: Hörbücher-Rezensionen
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